xprag Prag
  Die Fülle an Kunstschätzen in Prag ist überwältigend. Die Majestätik der Burg, der Prunk der Adelspaläste und der Glanz barocker Kirchen, Zeugen einer tausendjährigen Stadtgeschichte. Hier wurde europäische Geschichte geschrieben: ausgelöst ...
 


Prag: Historisches Zentrum von Prag

Ich sehe eine große Festung, deren Ruhm und Pracht die 
Steine erreicht - hier sollt ihr ein Schloß bauen, und 
es "Praha" nennen ....Die goldene Stadt, meine 
Prophezeihung.

Ich bin Libussa, die Seherin - eine Legende ....und ich bin
die Mutter Prags, denn ich sah die Stadt in ihrer ganzen 
Schönheit - lange bevor sie erbaut wurde. Haben Sie Lust, 
mich auf einer kleinen Zeitreise zu begleiten?

Am Anfang war der Fluß - die Moldau ... - natürlich .... 
mit ihr begann alles: Hier entstand vor tausend Jahren 
meine Stadt Prag. Um ehrlich zu sein, anfangs war es ja nur 
eine kleine Burg - ein Nebenschauplatz der Geschichte. Bis 
im 14. Jahrhundert einer kam und sie zur europäischen 
Metropole machte. Karl der IV. - böhmischer König - 
deutscher Kaiser. Ein Visionär, der alles im großen Stil 
plant. Mit ihm beginnt das goldene Zeitalter Prags. Er ruft 
die besten Baumeister, um die Stadt auszubauen - die Burg 
wird seine Residenz. Zentrum des Heiligen Römischen 
Reiches: der Hradschin.

3 Burghöfe, der Dom, der königliche Palast - 40 000 qm 
Macht, ein pompöses Labyrinth, an dem jedes Jahrhundert ein 
bißchen weiterbaute. Der Veitsdom - die vollkommene 
Verbindung der Macht von Kirche und Krone. Ihn verdanken 
wir Karl dem IV. Für mich ist der Dom ein heiliger Ort, an 
dem unsere Könige gekrönt wurden - Kunstliebhaber entzückt 
er, weil hier der Stein die Schwerkraft zu überwinden 
scheint.

Die Galerie über dem Chorumgang: Karl IV., der kaiserliche 
Bauherr, findet einen ebenbürtigen Baumeister. Als sein 
Monarch ihn nach Prag ruft, ist Peter Parler erst 23 Jahre 
alt. Er wird die Formsprache der Gotik benutzen, um sie 
weiter zu entwickeln - ein Genie. Ein Raum wie ein 
Reliquenschrein - die Wenzelskapelle im Veitsdom. Peter 
Parler weihte sie unserem Nationalheiligen, dem ersten 
Christen auf dem böhmischen Thron. Der arme Wenzel - er 
wurde Opfer eines Brudermordes - eines von vielen Opfern in 
der Geschichte meiner Stadt. Was bleibt, ist dieses Denkmal 
aus mehr als 1000 Halbedelsteinen - ein Glitzern zur Ehre 
Gottes und des Heiligen.

Aber vielleicht brauchen Sie jetzt nach soviel Heiligkeit 
ein bißchen weltliches Vergnügen ....

... die Nerudagasse. Sie führt vom Hradschin zur 
Karlsbrücke und ist mit ihren Barock- und 
Renaissancefassaden ein Schmuckstück. Die Hauszeichen - 
eine Erinnerung an die Zeit, in der die Welt noch nicht 
ordentlich durchnumeriert war. Zur zerbrochenen Speiche, 
zum Schwan - das paßt doch viel besser zu diesen Häusern, 
die Geschichten erzählen.

Hier tanzten und tafelten schon Casanova und Wolfgang 
Amadeus Mozart, wenn der Adel Prags seine rauschenden Feste 
feierte. 

In jeder Stadt gibt es einen Ort, in dem sich die Seele der 
Stadt spiegelt. Für mich ist das die Karlsbrücke - eine 
Inszenierung barocken Lebensgefühls - die steinerne Allee 
von echten und falschen Heiligen. Jeder eine Legende. 
Nepomuk - unser Brückenheiliger - wahrscheinlich steht er 
auch bei Ihnen auf irgendeiner Brücke. Hier wurde er von 
seinem König in die Moldau gestürzt, weil er das 
Beichtgeheimnis der Königin nicht preisgeben wollte. Dieser 
Umgang mit missliebigen Zeitgenossen ist wohl auch eine 
Prager Spezialität: Sie werden von Brücken geworfen, aus 
den Fenster gestürzt - oder auch mal erdrosselt - eine 
eigenwillige Form, Probleme zu lösen. Auch das ist Karl der 
IV. - als junger und alter Regent. Vom Brückenturm blickt 
er auf Prag - mit seinen Tschechen, Juden und Deutschen.

Drei Völker - drei Sprachen - drei Seelen. Mixtura madica - 
eine Zaubermischung - oft fruchtbar - oft furchtbar. Wie 
bei der Religion.

Jan Hus - ein Fundamentalist.

Im Drama um die religiöse und nationale Erneuerung spielt 
er die Hauptrolle. Ein Unbeugsamer, der in flammenden Reden 
gegen den Sittenverfall des Klerus kämpft. Und damit auch 
die heilige Allianz von Krone und Kirche angreift. Das 
konnte nicht gutgehen - zu sehr hingen alle an Pfründen und 
Privilegien. Und so wurde er 1451 kurzerhand auf dem Konzil 
zu Konstanz als Ketzer verbrannt. Und auch das konnte nicht 
gutgehen: Denn jetzt wurde aus der Reform eine Revolution. 
Doch weder Krieg noch Frieden konnten die Konflikte klären. 
Und so mußte fast 200 Jahre später das zweite Kapitel des 
Dramas folgen.

Schauplatz Hradschin - eine weltpolitische Bühne. Wir 
schreiben den 23. Mai 1618 - Ich weiß es noch wie gestern. 
Aus diesem Fenster wurden zwei verhaßte erzkatholische, 
königliche Stadthalter geworfen .... Und landeten mehr oder 
weniger sanft auf einem Misthaufen. Das also war der Prager 
Fenstersturz - und diese Lapalie wurde Auslöser des 
30jährigen Krieges.

Europa wird zum Schlachtfeld. Und mein Land blutet aus - am 
Ende steht der Sieg der Habsburger, der Katholiken. Kein 
Sieg für mein Land. Doch Abstieg und Tod des einen bedeuten 
den Aufstieg des anderen: Es folgt die Geschichte der 
steilen Karriere des Albrecht von Waldstein -besser bekannt 
als "Wallenstein".

Hier, an der Decke seines Palastes ist er verewigt: als 
Mars, Gott des Krieges. Eine Anmassung - ebenso wie sein 
Palast. Wie man zu solchem Reichtum kommt? Ganz einfach: 
Durch die Vertreibung protestantischer Adeliger kommt 
Wallenstein in den Besitz von mehr als 60 Ländereien - weit 
unter Wert natürlich. Und so wird er immer reicher und 
immer mächtiger und ganz folgerichtig wird er dann 
ermordet. Es war bei uns immer schon gefährlich, zu mächtig 
zu sein. Für die Zeit nach dem 30jährigen Krieg haben wir 
einen Namen: "Zeit des Dunkels - Doba-Temna", so nennen wir 
das Barock.

Gewiß, die Kirchen sind prächtig - doch es ist die Harmonie 
der Habsburger - ihr Sieg. Natürlich gibt es wie immer 
Ausnahmen - und das Kloster Strahov ist vielleicht die 
schönste. Denn hier hat sich die Weisheit ein Haus gebaut. 
Seit der Gründung im 12. Jahrhundert beherbergt das Kloster 
eine Bibliothek, die ihresgleichen sucht. 500.000 Bände - 
ein unschätzbarer Fundus von Handschriften, Inkunabeln, 
alten Karten. Und die älteste und wertvollste Handschrift 
des Klosters: das Strahover Evangeliar. Eine lange 
Geschichte, wie dieses Buch den Weg nach Prag fand .... 
Aber ich möchte Ihnen noch eine andere Form der Weisheit 
zeigen.

Auf dem alten Judenfriedhof wurde die Weisheit des Wortes 
zur Weisheit der Steine. Sie erzählen die Geschichte der 
Juden meiner Stadt. Eine Geschichte voller Trauer, Tod, 
Verfolgung und Vertreibung - eine Geschichte so alt wie 
Prag.

Die Zahl der Gräber ....vielleicht sind es 
hundertfünfzigtausend. Viele sind verfallen, wie aus der 
Erde gewachsen. Der Platz im Ghetto war knapp und so wurde 
immer wieder frische Erde auf die alten Gräber geschüttet - 
für neue Gräber. Grab über Grab. Der alte 
Judenfriedhof .... Auch er ist Prag - wie die Paläste, die 
Kirchen und Brücken, wie die Geschichten von Künstlern und 
Kriegern, Herrschern und Heiligen.

Die einen, die die Stadt zerstörten, die anderen, die sie 
wieder aufbauten. Mixtura magica.

Buch und Regie: Christiane Albus
 


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Last updated  2008/09/28 08:15:09 EDTHits  404