Fremdsprachenunterricht heute

Kommt Ihnen etwas bekannt vor?



  1. Sind Sie ständig auf der Suche nach interessantem Material?
    Ja
    Nein


  1. Haben Sie heterogene Klassen?
    Ja
    Nein


  1. Haben Sie an jedem Schulbuch was auszusetzen?
    Ja
    Nein


  1. Was haben Sie beim Kopieren von Arbeitsblättern schon erlebt?
    Die Schlange am Kopierer ist lang und in 5 Minuten läutet es.
    Sie kommen extra 30 Minuten vor Unterrichtsbeginn. Die Sekretärin heftet gerade einen Zettel an den Kopierer: 'Heute leider defekt'.
    Im Display erscheint 'Toner nachfüllen', aber der Hausmeister ist unauffindbar.
    Die Horrormeldung 'Papierstau' erscheint, aber selbst Kollegen X, der Maschinenbauingenieur ist, gelingt es nicht, den Fehler zubeheben.
    Der Supergau ist eingetreten: es gibt kein Kopierpapier mehr in diesem Haushaltsjahr.


  1. Sie geben ein Arbeitsblatt als Hausaufgabe auf.
    Was geschieht in der Folgestunde?
    5 Schüler konnten es nicht finden - sie haben es wohl im Physiksaal vergessen.
    Schüler A hat seinen Rucksack in der S-Bahn verloren.
    Schüler B wurde der Rucksack im Bahnhof geklaut.
    Schüler C denkt, heute sei Mittwoch und hat nur den Englisch-und BWL-Ordner dabei.
    Schüler D denkt, heute sei Sportfest und hat nur seine Sportsachen dabei.
    Schüler E hat überhaupt kein Arbeitsblatt bekommen, weil er am Tag zuvor ein Vorstellungsgespräch hatte und gar nicht in der Schule war.
    Sie freuen sich, dass wenigstes alle in der letzten Reihe die Hausaufgaben haben, aber die Freude währt nicht lang, denn Sie erfahren in der Pause von Kollegin Y, dass diese Schüler in der BWL-Stunde während der Gruppenarbeitsphase die Hausaufgaben statt der Firmenpräsentation erarbeitet haben.


  1. Sie verteilen Arbeitsblätter und geben den Schülern 15 Minuten Zeit, mit einem Partner die Übungen zu bearbeiten. Was beobachten Sie?
    Der Streber ist schon nach 5 Minuten fertig und widmet sich mathematischen Problemen.
    Die letzte Reihe macht so als ob - in Wirklichkeit üben sie für die Mathearbeit.
    Die vorletzte Reihe träumt vor sich hin und verziert das Arbeitsblatt mit Blümchen.
    Die Busenfreundinnen verstehen unter Partnerarbeit das gemeinschaftliche Verfassen mehrerer SMS.
    Schüler A liest alles korrekt vor, weil er sich den Streber zum Partner gesucht hat.
    Schüler B möchte noch ein Arbeitsblatt, weil er sich so oft verschrieben hat, aber Sie haben nur einen Klassensatz kopiert.
    Sie sind frustriert, weil Sie eigentlich gar nicht wissen, wer denn wirklich etwas gelernt hat.


  1. Wie gut klappen Rollenspiele?
    die Schüler reihen nur Wortfetzen aneinander, weil es ihnen an Strukturen fehlt.
    Die Aussprache lässt einen Außenstehenden eher auf Russisch tippen.
    Die Zeit für Rollenspiele ist viel zu knapp.


  1. Um mehr Übungsmöglichkeiten zu geben, bestellen Sie für jeden Schüler ein 'Cahier d'exercices', das er zur Hälfte selbst bezahlen muss. Die andere Hälfte übernimmt freundlicherweise die Schule.
    Der Vater von Schüler A ist Rechtsanwalt und droht mit Verwaltungsklage, da in Ihrem Bundesland Lernmittelfreiheit herrscht.
    Schüler B kann nicht bezahlen, da er eine Handy-Rechnung von EUR 500 hat.
    Die Busenfreundinnen bestellen sich ein Cahier zusammen. Sie teilen ja auch ihre Klamotten.
    Der Streber hat sich bereits vor Schuljahresbeginn mit sämtlichen Cahiers eingedeckt und schon alles durchgearbeitet
    Der Geschäftsmann besorgt sich das Cahier von der Vorgängerklasse umsonst - welch ein Deal! Da sind sogar schon alle Übungen ausgefüllt.
    Der Lehrersohn hat das Cahier von seiner Mutter zum Geburtstag bekommen (inkl.Lösungsheft) - die mündliche Note ist also gerettet.
    Die Schulsekretärin drohnt Ihnen mit dem Gerichtsvollzieher, weil zwei Monate nach Erhalt des Cahier immer noch nicht alle Schüler bezahlt haben.
    Von den Schülern, die endlich im Besitz eines Cahier sind, hat es die Hälfte immer vergessen.


  1. Sie wollen Hörverständnis üben (das kommt nämlich in der Prüfung dran!!!) und brauchen einen CD- Player.
    Welche Situationen kommen Ihnen bekannt vor?
    Kollegen X und Y brauchen auch einen CD-Player und es ist nur noch ein Gerät im Lehrerzimmer. Sie geben nach, während X und Y noch diskutieren.
    Endlich schafft Ihre Schule neue CD-Player an, aber die sind nach dem 3. Tag leider unauffindbar.
    Sie verstecken vor der 1. Stunde einen CD Player im Putzschrank auf der Toilette. nur um dann später im Unterricht festzustellen, dass das Gerät defekt ist.


  1. Es gelingt Ihnen, ein funktionierendes Gerät zu ergattern. Sie stellen es aufs Pult, legen die CD ein und spielen den Text vor. Wie reagiert die Klasse?
    Die erste Reihe beschwert sich, weil der Ton zu laut ist.
    Die letzte Reihe beschwert sich, weil der Ton zu leise ist.
    Einige Schüler haben den Text nach dem ersten Abspielen sofort verstanden, langweilen sich und versuchen, den CD-Player an Lautstärke zu übertönen.
    Manche Schüler haben den Text auch nach dem 3. Abspielen noch nicht verstanden, aber für weiteres Abspielen reicht die Zeit nicht - schließlich stehen noch andere Themen auf dem Programm.
    Schüler, die gerade heute fehlen (wir reden nicht von 'Schwänzern'), weil sie krank sind oder ein Vorstellungsgespräch haben, die haben 'gelitten'. Hörverständnis kann man nur in der Schule üben.


  1. Hurra, der neue Multimediaraum ist da. Sofort bestellen Sie sich Demos aller auf dem Markt vorhandenen Lernsoftware. Sie verbringen ein ganzes Wochenende vor dem heimischen PC. Warum sind Sie am Montag so deprimiert?
    Die Autoren haben noch nie eine Abschlussprüfung oder einen Lehrplan gesehen - kaum etwas passt richtig.
    Die Inhalte sind eher für die Orientierungsstufe.
    Die Autoren haben offensichtlich noch nie Schüler wie Ihre unterrichtet, sonst wüssten Sie, dass 3 Übungen zum Passé Composé nicht reichen.
    Sie würden gern noch eigene Übungen hinzufügen - aber ROM heisst nun mal 'Read Only Memory' - da kann man nichts verändern.
    Der Netzadministrator teil Ihnen mit, dass er, selbst wenn Sie eine brauchbare Lernsoftware hätten, diese frühstens e i n e Woche nach der Prüfung installieren könne, da DV Vorrang hat.
    Sie haben einen besonders guten Draht zum Netzwerkadministrator. Er würde die Software sofort installieren, aber - welch ein Pech - alle Festplatten sind randvoll.
    Ihre Schule hat überhaupt kein Geld für einen Klassenzimmerlizenz.


  1. Sie wollen den neuen Medienraum trotzdem nutzen - man soll ja handlungsorientiert unterrichten - und
    entschließen sich zu einer Internetrecherche. Thema: Organisation einer Geschäftsreise in Frankreich. Doch statt irgendwo anzukommen, verirren sich die Schüler im Cyberspace. Was beobachten Sie nach 10 Minuten?
    Schüler A liest und beantwortet seine Emails.
    Die letzte Reihe tummelt sich auf zwielichtigen Seiten.
    Die vorletzte Reihe vergnügt sich mit diversen Spielen.
    Der Streber ist frustriert und holt diskret seine Deutschlektüre hervor - die Zeit muss man nämlich nutzen.
    Der Geschäftsmann klickt schnell auf 'bahn.de' und druckt den Fahrplan aus, damit er noch genug Zeit hat, sich seinen Ebay-Transaktionen zu widmen - time is money!
    Sie sind frustriert - die Stunde war für die Katz' . Sie geben aber nicht auf und überlegen sich Alternativen.


  1. Sie schreiben die Webadressen einfach an die Tafel.
    Warum klappt auch das nicht?
    Die gesamte letzte Reihe kann die URL nicht so gut lesen und lässt Sie es lautstark wissen.
    10 Schüler schwören, dass sie die URL richtig eingegeben haben. Sie nehmen sich Zeit und überprüfen jeden PC. Nach mehrmaligem genauen Hinsehen stellen Sie fest, dass Schüler A ein Komma statt Punkt und sein Nachbar ein Leerzeichen eingegeben hat. Schüler C und D haben statt ' xxx.fr ' die URL ' xxx.de ' bzw 'xxx.com' eingegeben. Warum es bei den restlichen Schülern nicht geklappt hat, finden Sie nie heraus.


  1. Sie geben immer noch nicht auf. Die Internetrecherche wird jetzt zur Hausaufgabe deklariert. Wer keinen eigenen Internetanschluss hat, darf nachmittags zum Kollegen X in den DV-Raum. Warum hat niemand in der Folgestunde die Hausaufgaben korrekt?
    Schüler A irrte einen ganzen Nachmittag durchs Haus und konnte den DV-Raum nicht finden.
    5 Schüler geben etwas auf deutsch ab - angeblich hat ihnen ihr PC den Zugang auf französische Seiten verwehrt.
    Der Streber kommt mit einem Stapel ausgedruckter französicher Webseiten (sogar in Farbe!) - doch leider versteht er gar nicht, was er ausgedruckt hat.
    Alle Schüler aus A-Dorf kamen nicht ins Netz - dort ist bei einem Sturm ein Baum auf die Telefonleitung gefallen.
    Schüler A schwört, die Aufgabe ordnungsgemäß erledigt zu haben, aber eine besonders heimtückischer Virus hat seine Festplatte zerstört.
    Schüler B hat alles seinem Cousin gemailt, weil der einen Drucker hat. Der Cousin konnte aber die Mail nicht öffnen
    Der Geschäftsmann liefert die Hausaufgaben ab - allerdings hat er sie im TV-Unterricht gemacht. Die TV-Kollegin beschwert sich bei Ihnen - der Schüler behauptet, die Aufgaben zu Hause gemacht zu haben. Sie können es nicht beweisen - Aussage steht gegen Aussage.
    Die Mutter von Schüler C beschwert sich bei der Schulleitung über Sie - ihr armer Sohn war nicht in der Lage, die Hausaufgabe zu machen. Nach 2 Stunden intensiver Suche im Cyberspace hat er keine einzige brauchbare Seite gefunden. Jetzt leidet er an starken Kopfschmerzen. Die Lehrer sollten ordentliche Aufgaben stellen und es sich nicht so leicht machen!


  1. Sie geben immer noch nicht auf. Schließlich hat der neue Medienraum viel Geld gekostet. Sie probieren die Lernplattform Lo-Net aus und verbringen Ihr gesamtes Wochenende mit der Unterrichtsvorbereitung. Wie läuft die Lo-Net Stunde ab?
    Die Schüler haben eine ganz andere Zugangsadresse als der Lehrer. War das ' pupil/ ' oder ' pupil. ' oder ' pupil- ' ??? Die Unruhe wird unerträglich - Sie erinnern sich an das, was Ihnen Ihr Fachleiter vor sehr vielen Jahren während des Referendariats beigebracht hat: 'Wenn die Klasse unruhig wird, lässt man ein Diktat schreiben'. Sie diktieren die 5. Lektion.
    Ihre Klasse ist im virtuellen Klassenzimmer, aber keiner weiss, was er machen soll. Bis Sie es jedem der 24 Schüler gezeigt haben, ist die Stunde um.


  1. Diese oder ähnliche Erfahrungen sind nicht erfunden. Das alles ist jetzt Vergangenheit, denn Moodle zieht ein in deutsche Klassenzimmer. Wie sieht der Schulalltag mit Moodle aus?
    Die Sekretärin droht Ihnen nie mehr mit dem Gerichtsvollzieher, da Ihre Schüler kein Cahier mehr brauchen. Das Schulbuch reicht vollkommen aus, da die Übungen über Moodle laufen.
    Sie stehen nur noch selten am Kopierer, da Sie eigene Arbeitsblätter über Moodle austeilen.
    Sie nehmen nicht mehr an den Kämpfen um den CD-Player teil. Das Netz liefert zahlreiche Hörverständnisübungen (die sogar genau zum Lehrplan passen!) Außerdem können Sie selbst Übungen verfassen und als MP3 Datei hochladen. Schüler können auch zu Hause üben.
    Internetrecherchen klappen immer (selbst in der 8. Stunde!). Die Aufgabe stellen Sie in Moodle, der Schüler ist mit einem Klick da, wo er sein soll.
    Jetzt wissen Sie genau, wer wann die Hausaufgaben gemacht hat. Moodle lügt nicht. Sie können es so einstellen, dass der Schüler nur bis einer gewissen Frist die Hausaufgaben abgeben kann - die TV-Kollegin wird Ihnen dankbar sein.
    Alle Schüler werden individuell gefördert, da jeder Schüler genau das üben kann, was er braucht. Schüler A steht nicht mehr mit der Satzstellung auf Kriegsfuß und Schüler B kann endlich alle unregelmäßigen Verben im Schlaf konjugieren.
    Im Unterricht haben Sie sehr viel mehr Zeit für Kommunikation, da die Schüler Drillübungen auf Moodle außerhalb des Unterrichts eigenverantwortlich durcharbeiten.
    Der Unterricht wird lebendiger, da Sie durch Moodle immer die besten Frankreichlinks parat haben. Es gibt doch nichts schöneres als an einem grauen Wintertag an der Côte d'Azur zu liegen (wenn auch nur virtuell).
    Der Vater von Schüler A zieht seine Klage zurück. Er ist Ihnen zu Dank verpflichtet, da er durch Moodle das Geld für den Nachhilfelehrer spart.
    Die Steuerzahler sind Ihnen dankbar, dass Sie so sparsam mit öffentlichen Geldern umgehen - Moodle kostet nämlich nichts.


  1. Und jetzt eine letzte Frage:
    wie schätzen Sie Ihre IT-Kenntnisse ein?
    Ich habe noch eine Schreibmaschine - der PC hat im Fremdsprachenunterricht wirklich nichts zu suchen!
    Ich kann einen PC ein-und ausschalten. Ich beherrsche Word und weiss, dass man auf ein blaues 'e' klicken muss, um ins Internet zu kommen.
    Ich beherrsche Word, Excel und Power Point.
    Ich beherrsche das gesamte Office-Paket, Navision, Photoshop und Corel Draw.
    Programmieren ist mein Hobby. Ich beherrsche C++, Java, html und Flash. Meine private Homepage ist mindestens so schön wie die von Dior.


  1. Wenn Sie zu der zweiten Gruppe gehören, können Sie mit Moodle umgehen - so einfach ist das! Sie benötigen keine besonderen IT-Kenntnisse.
    Haben Sie Interesse an Moodle?
    Ja
    Nein





Professeur de français
Max-Hachenburg-Schule